Inhalt:
Jobsuche mit dem Internet (Presseecho aus BZ 10.05.1997)
Jobs frei Haus (aus pl@net 1'97)
Gut informiert aufs Sozialamt (aus Badische Zeitung 10.5.97)
Leonora ist 20 Jahre alt, hat mittlere Reife, spielt Geige und geht gern in Underground-Discos. Sie hat zwar keinen Job, aber sie hat eine Homepage im Internet. Und hofft, dadurch irgendwann einmal einen Ausbildungsplatz zu finden. Mediendesign würde sie gern lernen, doch ihre Bewerbungen blieben bislang erfolglos.
Leonora gehört zu einer Gruppe von sechs arbeitssuchenden Jugendlichen, die an einem Multimediaprojekt des Wissenschaftlichen Instituts im Jugendhilfswerk in Freiburg teilnahmen. Die jungen Leute im Alter von 17 bis 25 Jahren wollten wissen, was das Internet für Arbeitslose zu bieten hat. Sie forschten nach Online-Stellenangeboten, nach einem Informationsservice des Arbeitsamts und klickten "Jobnet" und andere Stellenmarktdienste an. Die Ausbeute war jedoch eher dürftig. Im Internet sind nämlich fast nur Jobs für Führungskräfte zu finden, für Südbaden war aber auch da Fehlanzeige. "Für den Großraum Freiburg fanden wir kein einziges Angebot", sagt Roland Bader, der die Gruppe betreute. Er hat den Eindruck, daß "wir in bezug auf die Entwicklung dieser Branche gegenüber Regionen in anderen Bundesländern hinterherhinken".
Was nicht heißt, daß das Projekt gescheitert ist. Im Gegenteil. Die Jugendlichen wurden aufgrund dieser Erfahrung selbst aktiv und gestalteten ihre eigene Homepage mit Bildern und Soundsamples. Dort stellen sie sich, ihre Berufswünsche, Kenntnisse und Hobbys vor und geben auch gleich ihre EMail-Adresse an. "In erster Linie ging es uns darum, die Leute zu aktivieren, ihnen neue ImpuIse und Selbstvertrauen zu geben. Schließlich ist es ausgesprochen deprimierend, wenn man über längere Zeit keine Arbeit findet"so Bader.
Der Erfolg kam durch die Hintertür. In dem fünfwöchigen Kurs lernten die Jugendlichen den Umgang mit dem Internet und eigneten sich so berufsqualifizierende Kenntnisse an: Sie entwickelten Computergrafiken, übten Dokumentation und Recherche und bauten Kontakte zu anderen Arbeitslosen-Initiativen auf. Außerdern produzierten sie zwei Radiobeiträge über das Projekt. Drei der sechs jungen Leute haben inzwischen einen Arbeits- beziehungsweise Ausbildungsplatz gefunden.
Die 17jährige Melanie zum Beispiel beginnt demnächst eine Lehre als Einzelhandelskauffrau in einem Computer-Markt. Marcus, 25 Jahre, fand einen Job im "Hanfhaus" in Freiburg und hat sich vorgenommen, bei seinem neuen Arbeitgeber schon bald das Multimedia-Zeitalter einzuläuten.
Bei Gruppenleiter Roland Bader stellte sich die Erkenntnis ein, daß in der Schule und in der Lehre längst nicht mehr der Grundstein für einen Beruf fürs Leben gelegt wird. "Der Trend ist, daß man zwei bis drei Jobs hat und sich in jeden einarbeiten muß." Computergrundwissen gehört für ihn aber schon jetzt zur Basisqualifikation, die - wie Mathematik, Deutsch und eine Fremdsprache - jeder Schulabgänger braucht. Insofern lernten die Jugendlichen in ihrem Kurs das, was sie eigentlich in der Schule hätten lernen sollen.
Am Montag, 12. Mai, beginnt ein einwöchiger Internet-Einführungskurs für arbeitssuchende Jugendliche. Schwerpunkte sind Kennenlernen des Internet, eine Homepage gestalten, E-Mail und Grundlagen für den Umgang der Dienste im Netz. Der Kurs dauert jeweils von 9 bis 13 Uhr. Adresse: Jugendhilfswerk, Konradstraße 14, 79100 Freiburg, Tel. 0761/7036111.
Außerdem findet dort jeden Montag abend von 18 Uhr an ein offener Treff statt, in dem sich Arbeitsuchende über Online-Angebote informieren können.
Am Sonntag, 11. Mai, 16 Uhr, sendet Radio Dreyeckland (UKW 102, 3) einen Beitrag, in dem die Gruppe um Leonora, Marcus und Melanie ihren Kurs vorstellt und über Multimedia-Aktivitäten in Freiburg berichtet.
BARBARA RIESS
Badische Zeitung vom 10.05.1997
Ihr Chef ist ein Ekel, die Kollegen mobben Sie,
und das Gehalt könnte auch etwas höher sein?
Wer beruflich eine neue Herausforderung sucht, sollte auf dem
Weg zum Arbeitsamt auch mal einen Blick ins Internet werfen.
Was ist dran an der digitalen Stellenvermittlung?
Neben den Stellenrubriken auf den Firmen-Homepages offerieren
an die dreißig kommerziellen Jobbörsen ihre meist
kostenlosen Dienste. Da gibt es einen
Online Stellenmarkt ,
einen deutschen DV-Stellenmarkt
(www.dv-job.de), einen Stellenmarkt für das Qualitätswesen,
ein Jobforum für Fach- und Führungskräfte oder
auch den Stellenmarkt der Düsel Gebäudereinigung GmbH.
Noch zeigen sich die großen überregionalen
Tageszeitungen wie die FAZ und die Süddeutsche Zeitung von der elektronischen
Konkurrenz wenig beeindruckt. (...) Nichtsdestotrotz plant auch die Süddeutsche,
bislang nur mit dem Kfz-Markt im Internet präsent, den Sprung in das
zukunftsträchtige Vermittlungsbusiness. (...)
Das Arbeitsamt online
Dennoch mischt auch die BfA jetzt schon
kräftig mit. Ab Anfang Dezember werden deshalb sämtliche Stellenangebite
bundeweit im Arbeitsamt online eingegeben.
Fazit: Nichts für alle
Gut informiert aufs Sozialamt (Quelle: Badische Zeitung vom 10.5.97)
Eine Neuauflage des Ratgebers „Sozialhilfe - Tips und Hilfen für den
Umgang mit den Sozialämtern" hat die Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher
Arbeitslosengruppen herausgegeben. Die 100 Seiten starke Broschüre informiert
über das Existenzminimum sowie über anzurechnende Einkommen und Vermögen,
einmalige Beihilfen und Unterhaltspflicht von Angehörigen.
Den Ratgeber gibt es gegen Einsendung von
DM 7.50 in Briefmarken bei der Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher
Arbeitslosengruppen, Marktstr. 10, 33602 Bielefeld.
Jobs frei Haus
(Quelle: pl@net Januar 97 - stark gekürzt)
Jobs & Adverts ist seit Oktober 1995 online und
zählt mit 1,75 Millionen Zugriffen pro Monat und über 1000
aktuellen Stellenazeigen in Deutschland zu den Vorreitern auf dem Gebiet
der elektronischen Stellenmärkte. (...)
Nur für Spezialisten?
Rosige Aussichten bestehen derzeit allerdings nur für bestimmte
Berufsgruppen. Qualifizierte Bewerber und Positionen gibt es online vor allem
im Bereich der Technik oder Datenverarbeitung. „Außerdem ist das
Internet schon mal ein Filter, der nur Leute durchläßt, die eine
gewisse Online-Affinität haben. Der größte Teil der
heutigen online-Nutzer sind über das Homebanking zum Internet gekommen.
Und das sind in der Regel Gutverdienende, darunter etliche Führungskräfte.
In den USA," weiß Brunowsky (Chefredakteur der Zeitschrift Capital),
„gibt es bereits Dienste, die über 100000 Stellen Tag für Tag
aktualisiert anbieten." Und dieser Trend wird sich seiner Meinung nach auch
in Deutschland manifestieren. In einigen Jahren, meint auch Kienbaum, werde
bereits ein relevanter Prozentteil des Stellenmarktes über das Internet
abgewickelt.
Dr. Roland Schütz, Leiter des Referats Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit der BfA: „Die Bundesanstalt für Arbeit hat
mit einem Angebot in T-online einen Anfang gemacht, künftig soll auch
ein entsprechendes Angebot im Internet hinzukommen. Die Marktbedeutung
von Online-Stellenbörsen wird unserer Meinung nach überschätzt.
Tatsache ist, daß bisher erst 4 bis 6 Prozent aller Haushalte überhaupt
Zugang zu solchen Angeboten haben."
... machen derzeit nur stringent nach Berufssparten durchorganisierte
Online-Stellenmärkte Sinn. Für Bäcker, Buchhalter oder
Küchenchefs fehlt die Breitenwirkung.
Neuer Ratgeber
Zudem gibt es
Hinweise für Schwangere, kranke, pflegebedürftige und alte Menschen.
Von den rund fünf Millionen Sozialhilfeempfängern schrecken, der
Koordinierungsstelle zufolge, immer noch viele davor zurück, alle ihre
Ansprüche geltend zu machen.